16./17.10.2025: Silvaplana & Corvatsch


Nachdem das Wetter in Engelberg etwas zuzog bzw. bzgl. dem Nebel keine Besserung in Sicht war (und damit Fliegen nicht ging) machten wir uns auf neue/alte Ecken zu erkunden. Wir fuhren über den Julierpass zum Silvaplanasee. Ich bekam Flashbacks von damals als wir hier mit den MTB durch sind (Tiefencastel usw.) und auch als ich mit Laura hier mal für eine Skitour war. Es fühlte sich ewig her an…aber am schlimmsten war, dass sich die Zeit dazwischen so anfühlte als ob wir nichts mehr gemacht hätten. Was ja nicht stimmte. Crazy selektiv das Gehirn. Vielleicht war es einfach auch die Sehnsucht die in mir aufstieg als ich die schönen Berge sah. Unterwegs sein, was erleben…sich frei und leicht fühlen. Mit dem Kopf noch bei diesen Gedanken erreichten wir den Camping am See und tatsächlich fanden wir noch ein schönes Plätzchen direkt mit Blick auf den See. Hier konnte man nicht reservieren bzw. gab es auch keine Parzellen, so dass wir echt Glück hatten. Neben uns war dann eine Ehepaar auf dessen Womo Skywalk als Werbung stand. Wir kamen damit kurz ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie selber nicht fliegen, aber ihr Sohn. Dieser hatte sogar Wingman für den Simon Oberrauner gespielt. Also schon ordentlich gut. Naja..wir ratschten etwas, aber leider konnten sie uns auch nicht weiterhelfen bzgl. Bedingungen für morgen. Tatsächlich schielte Laura immer wieder auf das Wetter und den Wind für morgen. Sie sog förmlich alle Infos bzgl. Talwindsysteme, Malojawind usw. auf. Aber zu einem echten Schluss kamen wir dann dennoch nicht. Wir gingen etwas am See spazieren, genossen noch die unglaublichen Farben und die Landschaft..Hier war wirklich ein Schmelztiegel von allem. Die Kiter auf dem See, dann Gleitschirmflieger, die Mountainbiker, dahinter die hohen Berge mit dem Piz Bernina…Einfach Wahnsinn. Wir beschlossen  einfach am nächsten Tag Wandern zu gehen. 

Die Nacht war bitterkalt und erster Frost legte sich auf die Busse. Wir frühstückten drin und genossen die krasse Szenerie mit dem See und der Malojaschlange. Einfach irre. Nachdem wir gepackt hatten machten wir uns auf Richtung Corvatsch Bahn. Auf halbem Weg nach der Brücke am Landeplatz von den Gleitschirmfliegern quatschten wir mit einem, der gerade gelandet war. Er meinte oben geht super, der Wind steht gut an und hier unten alles ruhig. Wir meinten locker, dann würden wir morgen fliegen gehen, aber nix da. Die Bahn machte morgen zu. Wenn, dann nur heute. Völlig überrumpelt und spontan schauten wir uns kurz an und meinten dann…ok. So gingen wir zurück zum Bus, ich mega nervös, und packten alles um. Von Wandern auf Fliegen. Damit gingen wir dann zur Bushaltestelle und warteten auf den Bus. Wir redeten nicht viel, da wir beide nervös waren. Mit dem Bus gings direkt bis zur Talstation und von dort dann mit der Bahn hoch. Die Landschaft war noch waldig, oben raus dann karg und erste Ansätze von Pisten waren zu sehen. Die Seite vom Corvatsch wirkte schon extrem abweisend zumal sie auch noch im Schatten lag. Oben dann das volle Panorama. Wir waren fast auf 3.300m und die Weitsicht war bombastisch. Man sah alles. Von der Bernina Gruppe bis rüber ins Wallis und Berner Oberland. Natürlich auch Richtung Südtirol zum Ortler und irgendwo hinten unsere Alpen. Krass. Ich zog das alles in mich rein…es fühlte sich wie ein Film an. Danach gingen wir den Schleppweg runter Richtung Gletscher. Von hier aus startete man. Vor uns waren noch ein paar Leute, so dass wir zuschauen konnten und mit uns ein anderes Paar. Wir halfen uns kurz gegenseitig und natürlich kam dann auch noch der Pistenbully hoch. Also Schirm wieder weg. Danach war ich dran. Ich zog auf und blieb mit den Leinen an einem Eisboller hängen, so dass der Schirm einen Drall bekam. Startabbruch. Danach neu ausgelegt. Auf alles geachtet. Puls auf 200….los. Schirm steigt, anbremsen, laufen, dann war ich schon in der Luft…geil. Ich flog noch immer mit Puls 200 über den Gletscher und drehte nach links ab. Ich kam über die Mittelstation, querte auf die andere Seite und dann brach unter mir alles ab und ich sah die beiden Seen vor mir. In weiter Ferne die hohen Berge…und ich mittendrin. So richtig viel wahrgenommen habe ich nicht, ich konzentrierte mich einfach brutal auf den Flug. Ich drehte meine Kreise, sah den Landeplatz und die Windfahne. Der Malojawind hat zugelegt. Ich peilte gut an…war alles gut, ich war direkt über dem Landeplatz, leicht Bremse pumpen…und zack stand ich. Ganz sanft, ohne Impact oder ähnlichem. Krass…Glücksgefühle durchströmten den Körper…ich packte zusammen und wartete auf Laura. Endlich kam auch sie und auch sie landete ohne Probleme. Mega…wir lachten übers ganze Gesicht. Nachdem der anstrengendste Teil (das Packen) vorbei waren gingen wir stolz wie Oskar zurück zum Camping. Hier gönnten wir uns in der Sonne Bier und Radler sowie eine Brotzeit. Endlich runter kommen..so halb. Denn für Laura hieß es noch raus aufs Wasser. Ich schubste sie förmlich und tatsächlich sagte sie ja. Wir holten das ganze Kite Zeug raus und gingen vor zur Wiese. Dort half ich ihr als Kite-Caddy und nachdem ich aufgepumpte hatte, sie angeleint hatte, startete ich und es ging raus. Krass war etwas, dass neben uns ein paar Jungs einem anderen halfen, der sich die Schulter ausgekugelt hatte. Er lag auf der Wiese und sie machten einen Videocall und bekamen Anweisungen. Tatsächlich hörte man auch das Plopp, als die Schulter wieder drin war. Diese Technik.

Laura stellte sich aufs Board, fuhr und hatte richtig Spaß. Auch ich werde es nicht vergessen. Sie auf dem See, die weißen Berge, der blaue Himmel die bunten Bäume. Mega. Tatsächlich traf ich nochmal das Paar von oben, die mit uns geflogen waren und wir quatschten während Laura fuhr. Ich war einen Tick zu spät und jemand half ihr dann schon beim landen. Das Grinsen ist tatsächlich noch breiter geworden, aber danach war sie auch Schnitzelfertig. Wir packten alles zusammen, sie hing den Neo zum trocknen auf und ich machte danach unsere geliebte Hackfleischpfanne mit Kartoffeln im Omnia. Das machte ich noch draußen, aber zum Essen gingen wir dann doch rein. Es wurde frisch. Was ein Tag.