Gestern hatten wir schon beschlossen heute weiter Richtung Bernina Pass zu fahren, um dort Richtung Boval Hütte aufzusteigen. Allerdings verzögerte der wunderschöne Morgen das Ganze etwas. Die Sonne kam hinter dem Corvatsch hoch und traf den Silvaplana-See. Der Maloja-Nebel stand noch leicht auf dem See, die Busse waren mit Frost überzogen und die Zirben fingen an in den ersten Sonnenstrahlen zu glühen. Es war mal echt krass. Also wahnsinnig schön. Die Kraft, die die Natur ausstrahlte, die Ruhe. Wir hatten schon alles gepackt, so dass wir Zeit hatten etwas umher zu gehen. Wir gingen rüber zum Windsurfer Einstieg, und schauten uns ruhig um. Klar, durch den Camping waren einige andere Leute unterwegs, aber das tat der Szenerie keinen Abbruch. Völlig noch geflasht sagten wir dem Camping dann doch mal Ciao und fuhren über Moritz weiter Richtung Bernina Pass. Auch hier kamen wieder alte Erinnerungen hoch. Gute bis jetzt. Wir bogen ab Richtung Morteratsch Camping und fuhren bis zum Parkplatz vom Morteratsch Gletscher. Dieser war schon ordentlich voll, aber wir ergatterten gerade noch einen Platz. Danach machten wir uns ready zum Wandern und gingen los. Anfangs noch mit gefühlt hunderten von Leuten, wurde es aber bald leerer. Wir folgten nicht dem Gletscherweg sondern bogen nach rechts Richtung Boval ab. Der Weg kam mir leise bekannt vor und ja…es kamen Erinnerungen an damals, als Floh und ich den Absturz der Dreier-Seilschaft am Biancograt gesehen hatten. Aber irgendwie auch nicht so negative..also nicht traumatisch. Das war zumindest aktuell gut. Auch diesen Weg konnte ich gut mit dem Knie gehen (auch eben wenn die Ausdauer null vorhanden war). So ging es im langsamen Schritt nach oben, immer weiter an der Seitenmoräne entlang. Schon Wahnsinn, wo einmal der Gletscher war. Die Landschaft generell war hier einfach brutal. Durch die Zirben leuchtete alles im Gelben Schein und unterstrich irgendwie noch die Kargheit der Umgebung. Ich fühlte mich eher in Kanada als in der Schweiz. Welch ein Glück hier zu sein. So ging es weiter nach oben, den Blick stets links und rechts schwenkend, bis wir nach ca. 2h die Boval Hütte erreicht hatten. Diese war gut gefüllt, wir setzten uns dazu und warteten dann geduldig auf unser Alpenrösti. In dieser Zeit konnte ich so in etwas unsere Abstiegsroute von damals rekonstruieren. Auch wenn ich mir die alten Fotos anschaute..klar, der Gletscher war etwas zurück gegangen, aber ich hätte es mir schlimmer erwartet. Irgendwie beruhigt, dass der Ort bei mir nichts negatives auslöst ging ich mit einem guten Gefühl wieder nach unten. Laura wie immer vorne weg, ich langsam hinter her. Dabei entdeckte ich auch zwei Gleitschirmflieger und dachte mir, wie geil das jetzt da oben sein muss. Gleichzeitig kam ein ordentlicher Respekt auf…wo würde ich denn landen. Hier ist blöd, dort ist schlecht…hier hatte ich einfach noch viel zu lernen. Die Szenerie blieb bis unten einfach genial, aber ich war dann auch froh wieder am Bus zu sein. Zeit für unsere nächste Etappe. Wir wollten Richtung Reschen bzw. Gardasee. Dazu fuhren wir, gestärkt mit einer Tüte Chips, von Moritz über Zernez nach Scuol. Dort checkten wir auf dem Camping ein und bekamen einen schnuckligen Waldstellplatz. Was noch auf dem Programm stand war das Brunnenbaden im Dorf. Laura hatte entdeckt, dass der örtliche Kulturverein einen Dorfbrunnen beheizte und dann das Baden dort anbot. Also gingen wir über die imposante Hängebrücke rüber ins Dorf und fanden tatsächlich den Brunnen. Eben über einen Ofen, ähnlich wie in einem Hot Tub, heizten sie das Wasser an. Gleichzeitig wurde parallel noch warmes Wasser gekocht und immer wieder als heiße Dusche rein geschüttet. Fies war etwas, dass man sich natürlich waschen musste bevor man rein ging, das aber dann mit dem kalten Brunnenwasser. Brrrrr. Dafür war es kuschlig war im Brunnen selber. Die Leute um uns herum schauten interessiert, freuten sich aber. Vor allem war noch eine Jugendgruppe mit uns im Brunnen, die Sekt dabei hatte und ordentlich Stimmung machte. Das war mal wieder ein richtig schönes Erlebnis. Viele fremde Menschen, die zusammen einfach Spaß hatten. Mega. Das alles kostete nichts und wir wollten jetzt auch nicht anderen den Platz wegnehmen, so dass wir nach gut 20 Minuten dann doch raus gingen und beseelt zurück zum Bus wanderten. Danach folgte das Abendessen und das warme einkuscheln in Myr. Was ein Tag.

